Geologie

Die geologische Entwicklung des Gemeindegebietes von Mortantsch (von Emmerich Moser)Die Beschaffenheit des Untergrundes ( und damit die Geologie) ist nicht nur das Interessensgebiet einiger weniger Wissenschafter, ihrer Erforschung und Kenntnis kommt auch praktische Bedeutung zu. Fast jeder wurde schon irgendwann im Alltag mit Problemen konfrontiert, deren Ursache primär auf die Gesteinszusammensetzung des Untergrundes zurückzuführen ist. Sei es bei einem Kelleraushub in hartem Felsgestein, beim Brunnengraben in kaum wasserdurchlässigen Tonen, beim Weg – und Straßenbau durch rutschgefährdetes Gebiet oder bei der Drainage minderwertigen Kulturlandes – all diese Schwierigkeiten haben ihre Ursache in der Geologie.

Die bei weitem ältesten Gesteine, denen wir im Gemeindegebiet an der Erdoberfläche begegnen, stammen vermutlich in ihrer ersten Anlage aus dem Präkambrium. Sie sind älter als 570 Mill. Jahre und entstammen einer Zeit, als es auf der Erde noch kein Leben, weder tierisches noch pflanzliches, gab. Es ist eine Folge kristalliner Gesteine, vorwiegend aus braunen, plattigen Schiefergneisen, daneben auch aus Glimmerschiefern, eingeschalteten Pegmatiten und Marmorbändern bestehend, die aufgrund ihres Vorkommens in der Raabklamm allgemein als „Raabtal – Kristallin“ bezeichnet wird. Obwohl diese Gesteine im tieferen Untergrund eine sehr große Verbreitung besitzen, sind sie obertägig nur an wenigen Stellen sichtbar, da sie von allen Gesteinen aus geologisch jüngerer Zeit bedeckt und damit der Sicht entzogen sind.

Folgt man der Straße von Göttelsberg Richtung Kleinsemmering, stellt man fest, dass das Tal des Mortantschbaches kurz nach der Straßenabzweigung zur Ortschaft Mortantsch plötzlich sehr eng und steilwandig wird.
Ab hier fließt der Bach bis zu seiner Mündung in die Raab seit Jahrtausenden durch diese Schiefergneise, welche seinem Lauf mehr Widerstand als andere Gesteine entgegensetzen. Die große Härte des Gesteins, seine Resistenz gegen die Tiefenerosion des Wassers, erlaubten dem Mortantschbach nicht mehr wie bisher in seinem Verlauf ein breites Tal auszuräumen, sondern er musste sich, wie die Raab in der benachbarten Raabklamm, eine schmale Schlucht durch das Kristallingestein sägen.

Die Ortschaft Mortantsch selbst liegt ebenfalls auf diesen präkambrischen Gesteinen, ebenso wie die Gehöfte auf dem Steinberg, der sich der Verwitterung über Jahrmillionen hinweg widersetzen konnte und sich mit 632 m Höhe deutlich aus der umliegenden Hügellandschaft heraushebt.

Über einen langen geologischen Zeitraum, vom Devon bis in die Teritärzeit vor etwa 20 Mill. Jahren, sind aus der Gemeinde Mortantsch wie auch aus der weiteren Umgebung keine Gesteine bekannt. Die nächstjüngeren Gesteine, denen wir an der Erdoberfläche begegnen können, stellen vermutlich Reste der sogenannten „Eggenberger Breccie“ und Roterden dar. Folgt man dem hangaufwärts führenden Weg am östlichen Ortsrand von Leska bis an den Waldrand und ab hier dem alten Hohlweg etwa 100 m Richtung Osten, so trifft man nach einigem Suchen knapp innerhalb des Waldrandes auf mehrere kubikmetergroße Brocken Eggenberger Breccie. Erst bei näherer Betrachtung stellt man den Unterschied zum Kalkgestein fest. Die Brocken bestehen aus Kalksteinbrüchen, welche durch ziegelfarbenes Bindemittel wieder zu einem festen Gestein verkittet wurden. Auch 300 m südöstlich des Gehöfts Toff, direkt hinter dem einzelstehenden Haus an der Straße, trifft man vereinzelt auf Blöcke dieser Eggenberger Breccie.

Während zu dieser Zeit die Fläche der heutigen Gemeinde Mortantsch noch Festland aus Gneisen, Kalken und Schiefer war, drang von Süden her ein subtropisches Meer in das Steirische Becken vor und hatte bereits dessen südliche Teile überflutet. Es dauerte aber noch Jahrmillionen bis in die Zeit des Pannon vor rund 7 Mill. Jahren, bis das immer weiter vordringende Wasser seine Uferlinie auf die Höhe Grünbichl-Leska-Zattach vorgeschoben hatte. Aus dem einstigen Meer war in der Zwischenzeit ein vom Ozean abgeschlossener riesiger Süßwassersee geworden, das letzte stehende Gewässer, welches das Steirische Becken vollständig bedeckte.

Folgt man von Götzenbichl nach dem alten verfallenen Fußweg Richtung Hafning, quert man über eine schmale Brücke den Wünschbauerngraben. Er bietet den besten Einblick in die Sedimentfolge, welche durch die randlich einmündenden Flüsse und Bäche seinerzeit in den pannonen See eingeschwemmt wurde und dort zur Ablagerung kam. Im stark verrutschten Graben Richtung Göttelsberg zeigt sich auf über 30 m vertikaler Mächtigkeit eine Wechselfolge grauer, graublauer und brauner Sande und Tone, Sedimente also, wie sie auch gegenwärtig in Seen zur Ablagerung gelangen, mit dem Unterschied, daß die pannonen Ablagerungen durch den Überlagerungsdruck verfestigt wurden.

Wo die E-Leitung den Graben quert, sind in den Tonen auch Schalenreste jener Lebewesen erhalten geblieben, welche im Pannon im Uferstreifen des Sees ihren Lebensraum hatten. Es sind dies bis 4 cm große Schalen und Gehäuse der Schnecken- und Muschelgattungen Melanopsis, Congeria, Limnocardium und Unio. Unter dem Mikroskop findet man zudem noch zehntelmillimetergroße Schalen von Muschelkrebsen, Fischzähne und -wirbel und kugelige Reste von Süßwasseralgen.

Literatur: „Daheim in Mortantsch“ (Mortantsch 1985)